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Mieterverein Meißen e.V.

Aktuelles zum Mietrecht

|   GIE MV Giessen

Mieterverein bewertet Geschäftsbericht 2018 der Wohnbau

Wie schon in den letzten Jahren auch, hat der Mieterverein den aktuellen Geschäftsbericht der Wohnbau Gießen für 2018 einer kritischen Betrachtung unterzogen.

Obwohl das städtische Wohnungsunternehmen ordentlich gewirtschaftet hat, schließt die Bilanz mit einem Minus von 239.000 Euro ab, der auch auf den erheblichen Verlust der Tochtergesellschaft „Wohnbau Mieterservice GmbH“ in Höhe von 673.000 Euro zurückzuführen ist. Der Mieterservice steht nun eine Neustrukturierung ins Haus.

Gründe für das Bilanzdefizit sind höhere Instandhaltungskosten (+2,17Mio.Euro), niedrigere Einnahmen aus Gebühren und Umlagen (-268.000 Euro), gestiegene Verwaltungskosten und ein höherer Aufwand für Miet- und Räumungsklagen.

Weil die Wohnbau neben der Neubautätigkeit ( Investition :1,38 Mio. Euro), die endlich erfreulich in Gang gekommen ist, um die dringend benötigten zusätzlichen Sozialwohnungen in Gießen zu schaffen, auch die energetische Modernisierung (Investition : 7,12 Mio. Euro) im Wohnungsbestand vorantreibt, konnten höhere Erträge aus Mieterhöhungen (+671.000 Euro) erwirtschaftet werden. Modernisierungen sind für alle Wohnungsunternehmen eine lukrative Sache. Man steigert den Wohnwert der Häuser, kann von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) günstige Kredite und zudem Teilschulderlässe von bis zu 27,5% bekommen und die Mieten deutlich anheben. Auch wenn die Mieterhöhungen bei der Wohnbau für die Bestandsmieter bei 6,50 Euro/qm, perspektivisch 6,80 Euro/qm, gedeckelt sind, zahlen letztlich die Mieter die Maßnahmen alleine. Fair und sozial ist eine solche Lastenverteilung nicht, zumal sich vieles für die Mieter auch nicht rechnet.

So löblich der Neubau der 400 geplanten öffentlich geförderten Wohnungen ist, der Zuwachs gleicht den rasanten Wegfall der vorhandenen Sozialwohnungen nicht aus. Die Wohnbau verfügte 2018 über insgesamt 7.121 Wohnungen, davon lediglich noch 1.659 mit Preisbindung - Tendenz stark fallend. Zwar nutzt das Unternehmen nicht alle möglichen Mietanhebungsspielräume bei solchen Wohnungen voll aus, aber die Mieten steigen doch deutlich an.

Insgesamt liegt die Durchschnittskaltmiete bei der Wohnbau bei moderaten 5,50 Euro/qm. Die Nachfrage auf dem angespannten Wohnungsmarkt in Gießen ist deshalb groß. 2.330 Haushalte stehen auf der Wohnbau-Warteliste. Nur gut 520 haben pro Jahr eine Chance auf eine Wohnung. Die Leerstandsquote ist mit 3,99% gering, meist ist sanierungsbedingter Leerstand die Ursache. Die Fluktuationsrate ist weiter gesunken, sie liegt bei 7,08%.

Abgeschlossen hat die Wohnbau die erste Stufe der Mustersanierung der sog. Rotklinkersiedlung, in Gießen besser bekannt als „Gummiinsel“, die als überregional bedeutendes Kulturdenkmal aus den 20er Jahren gilt. Damit wird der sehr hohe Finanzaufwand gerechtfertigt. Bis 2023 will man die gesamte Siedlung vollständig saniert haben.

Insgesamt kann die Vermögenslage der Wohnbau als gut angesehen werden. Das Anlagevermögen ist beträchtlich, die Eigenkapitalquote beträgt 23,2%. Perspektivisch peilt man für das laufende Jahr wieder einen Gewinn von 1,7 Mio. Euro an.

Im Gegensatz zu anderen großen Wohnungsunternehmen ist die Wohnbau erfreulicherweise nicht darauf gepolt, eine maximale Geschäftsrendite zu erwirtschaften. Sie sieht sich vielmehr in der Pflicht, zur Sicherung einer ausreichenden Wohnungsversorgung beizutragen, wie es die Satzung verlangt,. Gemäß ihrem Motto “Wir schaffen gute Nachbarschaften“ sucht das Unternehmen die Kooperation nicht nur mit ihren Mietern, sondern auch mit verschiedenen Partnern wie der Stadtpolitik, der Verwaltung, den Sozialträgern und dem Mieterverein. Und das ist gut so.

„Der Mieterverein erneuert seine Forderung, dass die Stadt Gießen als Eigentümerin der Wohnbau auf die Auszahlung der Dividende in Höhe von 365.000 Euro verzichtet. Da im sozialen Wohnungsbau großer Nachholbedarf besteht, ist es widersinnig, dass die Wohnbau den städtischen Haushalt unterstützen muss. Gießen ist in Prinzip nicht mehr unter dem "Schutzschirm". Auch in anderen Kommunen wie Kassel oder Darmstadt verzichtet die Stadt auf die Gewinnausschüttung ihrer Wohnungsunternehmen. Ohne Ausschüttung spart man zudem Steuern,“ sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.


 


 

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